Transgender-Agenda untergräbt Frauenrechte

Der Frauenstreik nennt sich inzwischen «Feministischer Streik». Viele bürgerliche Frauen, die letztes Jahr noch mit an Bord waren, haben sich abgewandt und waren nicht mehr mit dabei, als der übrig gebliebene linksfeministische Kern am 14. Juni zu einer lauten Demo auf dem Bundesplatz aufrief.

«BRISANT»-Kolumne von Anian Liebrand, erschienen auf «schweizerzeit.ch» am 23. Juni 2023

Es verwundert nicht, dass sich viele Frauen nicht vertreten fühlen, wenn der Kampf für Frauenrechte nun ungeschminkt mit der Vollstreckung einer offen kulturmarxistischen Agenda gleichgesetzt wird.

«Queer-Feminismus»

Der feministische Kampftag wurde sowohl organisatorisch als auch inhaltlich geprägt von den Gewerkschaften – den millionenschweren und personell hochpotenten Kampftruppen der Linken. Entsprechend dominierten Forderungen wie jene nach «dem Ende des Patriarchats» und dem Ende von (vielfach nicht bewiesener) Lohndiskriminierung. Auch die Jungsozialisten waren an vorderster Front dabei. Ihr Slogan zeigte sogleich auf, «welch Geistes Kind» der feministische Streik 2023 ist: «Die Revolution wird queer-feministisch oder unbedeutend». Ein paar Tage später – zur «Zurich Pride» vom 17. Juni – legten die Jusos des Kantons Zürich noch eine Schippe drauf. Sie kommentierten ein Plakat der EDU wie folgt«Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat. Queer-feministische Revolution ein ganzes Leben lang. #fundisvondenstrassenfegen». Die Jugendabteilung einer linken Bundesratspartei ruft offen zur «Revolution», laut Duden ein «auf radikale Veränderung der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ausgerichteter, gewaltsamer Umsturz[versuch]» auf. Als hätte es noch eines Beweises bedurft, dass die Jungsozialisten in Teilen die Schwelle zum staatsgefährdenden Linksextremismus überschritten haben. Er ist mit solch gewaltaffiner und zündelnder Rhetorik endgültig erbracht.

Dass die Jusos im Rahmen des feministischen Streiks auch ehrenrührige Flyer mit dem Konterfei des SVP-Nationalrats Andreas Glarner in einer Mülltonne verteilten (Aufschrift: «wer greift durch und entsorgt Andi Glarner?»), ist an Geschmacklosigkeit nur schwer zu überbieten. Wenn solche Pöbeleien, die der Mainstream bei einem rechten Absender sofort als Gewaltaufruf verurteilen würde, von links kommen, wird die Sache aber wohl – einmal mehr – ohne Konsequenzen bleiben.

«Non-Binarität»

«Queer-Feminismus»: Was bedeutet dieser Kampfbegriff, den die Jungsozialisten als Ziel proklamieren – und der auch im Forderungskatalog des feministischen Streiks Widerhall findet? Enzyklopädien bezeichnen dies als «eine Untergruppierung der feministischen Theoriebildung». Queer-Feminismus richte sich «sowohl gegen die Heteronormativität als auch die binäre Geschlechterordnung», also dagegen, dass Heterosexualität die Norm bildet und die menschlichen Gesellschaften auf der Unterscheidung zweier Geschlechter – Mann und Frau – beruhen. Der sog. Queer-Feminismus ist der Sparring-Partner der Transgender-Ideologie, welche die Geschlechter als «soziale Konstrukte» bezeichnet und die Ansicht vertritt, ein Mensch könne sein Geschlecht unabhängig von biologischen Faktoren, auf der reinen Gefühlsebene definieren. «Queer» ist ein Sammelbegriff für sexuelle Orientierungen, die nicht heterosexuell sind. Queer- und Transgender-Aktivisten verstehen sich unter anderem als Lobbyisten derer, die sich nicht ausschliesslich als Mann oder Frau identifizieren und sich «als ausserhalb der zweigeteilten, binären Geschlechterordnung verstehen» – als sog. «Transgender» oder «Non-Binäre».

Das feministisch gekaperte Frauenstreik-Kollektiv greift den Begriff der «Non-Binarität» auf seiner offiziellen Kampagnen-Website «14juni.ch» auf. Dazu schreiben die Aktivistinnen: «Biologisch gesehen gibt es jedoch ganz viele Geschlechter und diverse unterschiedliche Ausprägungen der Geschlechtsmerkmale. Das beweist: Gender [soziales Geschlecht, in Abgrenzung zum biologischen Geschlecht – Anm. des Verfassers] ist ein Konstrukt, das zu vereinfachen und zu schubladisieren versucht.»

Faktenwidrige Propaganda

Dieses Begriffsverständnis ist nicht nur verkürzt und tendenziös. Es ist auch faktenwidrig. Biologisch gesehen gibt es mit Sicherheit nicht «ganz viele Geschlechter», wie jeder nur halbwegs informierte Mensch längst weiss. Es ist zwar aus medizinischer Sicht erwiesen, dass ein geringer Promille-Anteil der Menschen «im falschen Körper» geboren wird. Diese Menschen weisen bei der Geburt sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsmerkmale auf und werden dann manchmal einem Geschlecht zugewiesen, dem sie sich in ihrer Entwicklung nicht zugehörig fühlen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die österreichische Ski-Rennfahrerin Erika Schinegger (Abfahrts-Weltmeisterin 1966). Nachdem medizinisch festgestellt wurde, dass Schinegger genetisch männlich ist, unterzog sie sich einer Geschlechtsumwandlung und lebt heute als Erik. In der Fachsprache bezeichnet man dieses Phänomen als Pseudohermaphroditismus. Das gleichzeitige Vorhandensein männlicher und weiblicher Geschlechtsmerkmale an einem Menschen (sog. Intersexualität) ist gar noch viel seltener.

Wie der feministische Streik angesichts der konträren Faktenlage davon sprechen kann, es gäbe «biologisch gesehen ganz viele Geschlechter», ist unbegreiflich und lässt die Verantwortlichen in einem ganz schiefen Licht erscheinen. Wenn schon, könnte man höchstens von «vielen gefühlten Geschlechtern» reden. Ob die doch relativ vielen Frauen, die nach wie vor mit der einstigen Frauenstreik-Bewegung sympathisieren, wissen, welch krude Theorien die Plattform verbreitet, die von sich behauptet, für Frauenrechte einzustehen? Die Parteinahme der öffentlich wahrgenommenen feministischen Stimmen für die Queer- und Transgender-Ideologie – nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa und den USA – ist durchaus bemerkenswert. Der damit verknüpfte Anspruch, dass sich biologische Männer ohne grossen Aufwand als Frauen ausgeben können (weil sie sich angeblich so fühlen), steht nämlich in immer stärkerem Konflikt mit den Ur-Anliegen der Frauenrechtsbewegungen.

Gefährliche Gesetzesänderungen

In Deutschland steht beispielsweise ein «Selbstbestimmungsgesetz» in den Startlöchern, welches das Frau-Sein als biologische Realität quasi abschafft. Jeder soll damit das Recht bekommen, den eigenen Geschlechtseintrag per «Sprechakt» zu ändern. Das bedeutet: Frau oder Mann ist, wer sagt, dass er oder sie sich so fühlt. Vor einer amtlichen Änderung des Geschlechtseintrags dürfen keine medizinisch-psychologischen Gutachten mehr verlangt werden. Der Eintrag kann jährlich geändert werden. Männer, die sich per Sprechakt zur Frau erklärt haben, dürfen laut diesem Gesetz auch Ämter besetzen, für die eine Frauenquote besteht. Es ist also möglich, dass biologische Männer Frauen die Quotenplätze wegnehmen! Was 2021 grosse Wellen schlug, könnte sich also zunehmend wiederholen: Damals ist die «Transfrau» Tessa Ganserer (geboren als Markus) über einen Frauenquotenplatz auf der Liste der Grünen in den deutschen Bundestag eingezogen. Als die Frauen-Zeitschrift «Emma» von Alice Schwarzer Kritik übte («Mit Ganserer besetzt ein Mensch, der physisch und rechtlich ein Mann ist, einen Frauenquotenplatz»), entbrannte eine heisse Kontroverse im feministischen Lager.

Doch mit diesem «Selbstbestimmungsgesetz» kommt es noch dicker. Für öffentliche Frauenräume wie Damentoiletten und Umkleidekabinen gilt neu das Hausrecht des Eigentümers. Es liegt also auf der Hand: Wer keinen Shitstorm oder Klage wegen des Verstosses gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz kassieren will, lässt künftig wohl auch Männer rein, die behaupten, sich als Frau zu fühlen. Erst vor kurzem sorgte für Aufsehen, dass in einer Wiener Sauna eine Person «mit Bart und Penis» Einlass erhielt – und für Unwohlsein unter den Frauen sorgte. Der biologische Mann wurde reingelassen, nachdem er seinen Ausweis vorlegte. In der Stadt Wien gilt nämlich: «Für die Nutzung von Bereichen, die zwischen Geschlechtern differenzieren (etwa Toiletten, Umkleiden, Sauna), ist das im Personaldokument angeführte Geschlecht massgeblich.»

Bedrohte Schutzräume

Das deutsche «Selbstbestimmungsgesetz» erlaubt Männern, die sich zur Frau erklärt haben, zudem auch die Unterbringung in Frauengefängnissen und in Frauenhäusern. In England, wo dies bereits möglich ist, gab ein verurteilter Vergewaltiger schon vor einigen Jahren an, sich als Transfrau zu definieren, um in ein Frauengefängnis überstellt zu werden, wo er (oder sie) prompt wieder Mitinsassinnen sexuell belästigte. Wie können Feministinnen glaubhaft für die Schaffung von «Schutzräumen» für Frauen kämpfen, um solche mit ihrem Transgender-Aktivismus gleich wieder akut zu gefährden?

Von der Pervertierung des Sports mal ganz zu schweigen, wo Transfrauen biologische Frauen in vielen Bereichen von den Spitzenplätzen verdrängen und so deren Anerkennung schmälern und gewaltige Unruhe verursachen. So zum Beispiel im Schwimmsport oder in der Leichtathletik. Immerhin: Der Weltschwimmverband hat 2022 reagiert und Transfrauen von den Wettbewerben ausgeschlossen: «Transfrauen, die schon die männliche Pubertät durchlaufen haben, verfügen über einen unfairen körperlichen Vorteil gegenüber weiblichen Athletinnen.» Und 2023 hat auch der Leichtathletik-Verband entschieden, Transfrauen von Wettkämpfen zu verbannen: «Biologie kommt vor subjektiver Identität».

Intolerante Szene

In der Schweiz ist uns der absurde Queer-Aktivismus bekanntlich auch alles andere als fremd. Seit Anfang 2022 ist bei uns ein Gesetz in Kraft, das es allen Einwohnern ab dem 16. Altersjahr erlaubt, ohne vertiefte Prüfung oder Begründung beim Zivilstandsamt ein anderes Geschlecht eintragen zu lassen. Ein zehnminütiges Gespräch beim Zivilstandsamt sowie eine Bearbeitungsgebühr von 75 Franken genügen. Kürzlich sorgte der Fall eines jungen Mannes für Kopfschütteln, der sich auf der Grundlage dieses Gesetzes erfolgreich zur Frau erklären liess, um der anstehenden Wehrpflicht zu entgehen. Vordergründig reiht sich die feministische Szene noch immer nahtlos in das «queere Treiben» ein. Hinter den Kulissen brodelt es aber. Einige Frauenrechtlerinnen wagen bereits den Widerspruch («Trans-Rechte dürfen nicht auf Kosten der Frauen gehen»), werden dafür von der LGBTIQ-Szene aber prompt als «transfeindlich» angeschossen. Sogar namhafte Transsexuelle halten den überbordenden Aktivismus für problematisch und kassieren dafür wüste Anfeindungen. So viel zur Toleranz in diesen für angebliche Toleranz einstehenden Kreisen…

Anian Liebrand
Anian Liebrand
Geboren 1989 in Fribourg. Aufgewachsen in Beromünster LU. Nach Abschluss der kaufmännischen Berufsmatura diverse praxisnahe Weiterbildungen, u.a. im Marketing. Von 2014 bis 2016 Präsident der Jungen SVP Schweiz. Heute in verschiedenen Funktionen für unterschiedliche Parteien und Organisation tätig. 2020 Gründung der Politagentur.ch GmbH als deren Geschäftsführer.

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