Schwarze Listen

Vor einigen Tagen lief im TV ein äusserst sehenswertes Filmdrama. «Trumbo» spielt in den 1940er bis 1950er Jahren in Hollywood und handelt vom US-amerikanischen Drehbuchautor Dalton Trumbo. Der Film thematisiert ein brisantes Kapitel amerikanischer Geschichte und beleuchtet eine schwierige Epoche voller weltpolitischer Spannungen. Der Streifen basiert auf Trumbos Biografie, verfasst von Bruce Alexander Cook.

«Schlusspunkt»-Kolumne von Anian Liebrand, erschienen in der «Schweizerzeit» am 24. Februar 2023

Kaum ist der Zweite Weltkrieg vorbei, droht sich die Welt erneut zu entzweien. Sowjet-Russland dehnt seine Einflusssphären in immer mehr Weltregionen aus, der Kalte Krieg nimmt seinen Anfang. In den westlichen Staaten wird der Kampf gegen die «kommunistische Gefahr» ausgerufen, da man die Bedrohung eines Umsturzes von innen als durchaus real betrachtete. Der begnadete Drehbuchautor Dalton Trumbo gerät als Mitglied der Kommunistischen Partei zusammen mit seinen Mitstreitern, den «Hollywood Ten», ins Fadenkreuz der Behörden.

Das US-Parlament setzt das «Komitee für unamerikanische Umtriebe» ein, welches das Land vor kommunistischer Unterwanderung schützen soll. Als dieses Dalton vor Gericht zerrt, verweigert er die Aussage – er macht kein Hehl daraus, weiterhin zu seinen Überzeugungen zu stehen. Die «Verurteilung wegen Missachtung der Staatsgewalt» bringt ihn schliesslich in Haft. Trumbo landet zusammen mit vielen weiteren Filmschaffenden, denen kommunistische Neigungen nachgesagt werden, auf einer schwarzen Liste. Nach Verbüssung seiner Haftstrafe wird er in Hollywood wie ein Aussätziger gemieden und gerät in finanzielle Not. Als Ghostwriter gelingt es ihm durch grösste Bemühungen nur langsam, sich wieder zu etablieren (u.a. als Drehbuchautor für «Spartacus» mit Kirk Douglas).

So mancher Zuschauer hierzulande mag die Zeit der «Kommunistenjagd» als typisch amerikanisch abtun – bedient der Film doch reichlich die Klischees der dumpfen US-Konservativen. Dabei lassen wohl die meisten ausser Acht, dass die Zeit der schwarzen Listen auch bei uns längst nicht vorbei ist. Nur die Vorzeichen haben sich geändert: Jene Kreise, die mit Dalton und Co. sympathisieren, gehören heute zu jenen, die Zeitungsredaktionen, Universitäten und Staatsverwaltungen zur «SVP-freien Zone» erklären und im Zeitalter des Woke-Wahns allen anderen vorschreiben wollen, wie sie zu denken und zu reden haben.

Anian Liebrand
Anian Liebrand
Geboren 1989 in Fribourg. Aufgewachsen in Beromünster LU. Nach Abschluss der kaufmännischen Berufsmatura diverse praxisnahe Weiterbildungen, u.a. im Marketing. Von 2014 bis 2016 Präsident der Jungen SVP Schweiz. Heute in verschiedenen Funktionen für unterschiedliche Parteien und Organisation tätig. 2020 Gründung der Politagentur.ch GmbH als deren Geschäftsführer.

Weitere Texte

Ähnliche Beiträge

Werbungspot_img

Neuste Beiträge

Drogenverharmlosung

Während weltweit immer neue Drogentrends ganze Gesellschaften ins Elend stürzen, will die Schweiz ausgerechnet jetzt den nächsten Rausch staatlich salonfähig machen: Cannabis soll legalisiert werden – als wäre das alles bloss ein harmloser Freizeitspass.

Das Kopftuchverbot an Schulen muss kommen!

Mit den Aktivitäten des Egerkinger Komitees gewinnen die Bestrebungen für ein landesweit gültiges Kopftuchverbot an Schulen neuen Schwung. Wenn es ihnen ernst ist mit ihren Bekenntnissen für Frauenrechte und Gleichberechtigung, müssten nun insbesondere Frauenvereinigungen, Feministinnen und Politikerinnen von sich hören lassen und diese Forderungen unterstützen.

Video-Kampagne: «Nein zur Service-Citoyen-Initiative» am 30. November 2025

Zum «Schlussspurt» im Abstimmungskampf gegen die «Service-Citoyen-Initiative» hat die Vereinigung Pro Militia (mit mir als Sprecher) kompakte Kurz-Videos produziert. Diese sollen zur Mobilisierung eines möglichst hohen Nein-Anteils am 30. November 2025 beitragen.

Schlagwörter

Newsletter abonnieren