Das Vertrauen des Volkes in die Politik ist europaweit auf dem Tiefpunkt angelangt. Einer der Hauptgründe dafür: Es lässt sich nicht mehr kaschieren, dass in zentralen Machtpositionen immer mehr Persönlichkeiten sitzen, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind.
«Spalte rechts»-Kolumne von Anian Liebrand, erschienen in der «Schweizerzeit» am 7. August 2026
Die charakterliche Defizite und keinen Skrupel haben, das eigene Wort nach Tagesform zu brechen. Die in abgehobenen Sphären leben und dem eigenen Machterhalt alles unterordnen.
Die deutsche Causa Jens Spahn ist nur ein Beispiel unter vielen. Man muss sich das mal vorstellen: Ein amtierender Minister «besorgt» sich via Leihmutterschaft im Ausland ein «Kind auf Bestellung», obwohl dieses Verfahren im eigenen Land gar nicht erlaubt ist – und denkt sich dabei, damit wohl schon irgendwie durchzukommen. Wie unverfroren muss man sein? Die fragwürdigen Maskendeals, die Spahn schon zu Coronazeiten in ein schiefes Licht gerückt haben, liess man ihm noch durchgehen. Doch bei der Leihmutterschaft sah sich nicht einmal mehr die sich bis zur Unkenntlichkeit verbogene CDU im Stande, dieses Manöver zu decken.
Die Systemdefizite, die den Aufstieg von Gestalten des Politikertypus Spahn begünstigen, bleiben davon natürlich unberührt. Die Machtstrukturen westlicher Staaten basieren systembedingt darauf, starke, eigenständige Persönlichkeiten zu bestrafen und rückgratlose Karrieristen zu fördern. Das ganze Politsystem beruht auf Negativauslese statt auf der Suche nach den Besten. Quasi überall geben Berufspolitiker den Ton an, die entweder aus elitärem, privilegiertem Hause stammen oder ihr Leben lang darauf abgerichtet wurden, für den eigenen Vorteil zu «ellbögeln» und zu tricksen. In diesem Biotop, in dem alle nur noch fordern und ankündigen – aber niemand mehr Verantwortung übernimmt – geben Studienabbrecher, Geisteswissenschafter und Parteiapparatschiks den Ton an. Wer die Privilegien- und Klüngelherrschaft in Frage stellt und unternehmerische Grundsätze einbringen will, wird mit aller Kraft von den «Futtertrögen der Macht» ferngehalten und diffamiert.
In der Schweiz sind wir auf dem besten Weg, uns ähnliche Berufspolitiker-Biotope zu errichten, wie sie im restlichen Europa längst existieren und alles zugrunde richten. Längst sind auch bei uns nicht mehr die Besten am Ruder, sondern oft jene, die es «mit allen gut können» und anderen nicht auf die Füsse trampeln. Die Geschichte lehrt uns, dass politisch nichts gefährlicher ist als eine Reihe guter Tage. Bei all dem, was geopolitisch auf uns zukommt, möge uns Gott davor bewahren, dass wir von Figuren wie Beat Jans oder Cedric Wermuth gelenkt werden…


