Wermuths Heuchelei

Was ich am meisten verabscheue, ist Heuchelei. Und damit verbunden das Anlegen unterschiedlicher Standards, das meist mit Unglaubwürdigkeit und Verlogenheit einher geht. All diese negativen Eigenschaften vereint SP-Präsident Cedric Wermuth in seinem politischen Wirken (es geht nicht um ihn als Menschen).

«Schlusspunkt»-Kolumne von Anian Liebrand, erschienen in der «Schweizerzeit» am 8. Mai 2026

Vor Kurzem erst liess sich Wermuth von den Delegierten der SP Kanton Aargau zum fünften Mal zur Nationalratswahl nominieren – obwohl die Partei in ihren Statuten eine Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren vorsieht, die für alle anderen Parteimitglieder bisher gegolten hat. Wermuth sieht seine eigene Bedeutung offenbar für so hoch an, dass parteiinterne Regelungen für ihn problemlos verbogen werden können. Er verhindert damit erneut, dass eine Frau an seiner Stelle für die SP in den Nationalrat einziehen kann – 2023 war mit Leila Hunziker eine Frau auf dem ersten Ersatzrang der SP-Liste.

Diese Verdrängung von Frauen hat bei Wermuth leider Tradition. 2019 verhinderte er die aussichtsreiche Ständeratskandidatur der langjährigen Nationalrätin Yvonne Feri, um selber für die Nachfolge der SP-Ständerätin Pascale Bruderer anzutreten. Die SP Aargau verlor mit Kandidat Wermuth in der Folge ihren Ständeratssitz. In der Öffentlichkeit zelebriert Cedric Wermuth von sich selbst gerne das Bild eines Frauenverstehers und «Feministen», der sich für eine vollständige Gleichstellung der Geschlechter stark mache. So verkündete er einst, nur noch an Podiumsdiskussionen teilzunehmen, zu denen mindestens gleich viele Frauen wie Männer eingeladen würden. Geht es aber um die eigene Karriere, ergreift Wermuth gerne Gelegenheiten – dass dies bislang oft zulasten echter Frauenförderung ging, scheint ihn nicht weiter zu kümmern. Anders lässt sich nicht erklären, dass er als Mann über seine reguläre Amtszeit hinaus anderen Frauen weiterhin mit voller Absicht «vor der Sonne» steht.

Ähnlich verhält sich die Doppelmoral und Heuchelei Cedric Wermuths auch in anderen Bereichen. An 1.-Mai-Demos gibt er gerne den klassenkämpferischen Volksarbeiter, selber hat er beruflich wohl noch nie einen Bleistift verkaufen müssen. Bei anderer Gelegenheit sprach er davon, er setze sich für Menschen ein, «die jeden Tag um acht Uhr morgens aufstehen» müssten – womit er sich bei Millionen Schweizer Arbeitnehmern, die von solchen Luxusaufwachzeiten nur träumen können, der Lächerlichkeit preisgab.

Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Anian Liebrand
Anian Liebrand
Geboren 1989 in Fribourg. Aufgewachsen in Beromünster LU. Nach Abschluss der kaufmännischen Berufsmatura diverse praxisnahe Weiterbildungen, u.a. im Marketing. Von 2014 bis 2016 Präsident der Jungen SVP Schweiz. Heute in verschiedenen Funktionen für unterschiedliche Parteien und Organisation tätig. 2020 Gründung der Politagentur.ch GmbH als deren Geschäftsführer.

Weitere Texte

Ähnliche Beiträge

Werbungspot_img

Neuste Beiträge

Fremd im eigenen Land

«Damit wir nicht zu Fremden werden im eigenen Land.» Das war ein Wahlspruch, mit dem die SVP im Kanton Luzern bereits anfangs der 2000er-Jahre gefahren ist. Haben Empörte die Aussage damals noch für überzogen bis provokativ gehalten, hat sich die Situation in der Schweiz seither fundamental geändert.

Schande von Winterthur

Winterthur am helllichten Tag, mitten am Bahnhof, zwischen Schulkindern. Ein eingebürgerter Türke sticht mit dem Messer wahllos auf Passanten ein – «Allahu Akbar» schreiend. Was

Akt der Selbstverteidigung

Ich bin überzeugt: Die Konflikte, die durch die Machtansprüche des politischen Islams entstehen, werden die Schweiz in den kommenden Jahren wieder verstärkt beschäftigen.

Schlagwörter

Newsletter abonnieren