In den vergangenen Tagen bekamen wir mal wieder besten Anschauungsunterricht über die Funktionsweise der Schweizer Mainstream-Presse geboten. Losgetreten vom Sonntags-Blick, kochten die Medien ein an und für sich unspektakuläres, privates Ereignis zu einem nationalen Skandal hoch. Was ist passiert?
«Schlusspunkt»-Kolumne von Anian Liebrand, erschienen in der «Schweizerzeit» am 9. Januar 2026
Der SVP-Ortsparteipräsident der Luzerner Agglomerationsgemeinde Ebikon besuchte im Mai des vergangenen Jahres eine Hochzeit. Der Bräutigam sei laut Sonntags-Blick ein bekannter Rechtsextremer, der neben Freunden und Familie auch einige Gesinnungsgenossen zur Vermählungsfeier einlud. Wie das Boulevardblatt zu dieser Einschätzung kam? Ein linkes deutsches «Recherchekollektiv » hatte Wind von der Hochzeit bekommen, schlich sich an den Veranstaltungsort und fotografierte aus einem Versteck heraus heimlich alle Hochzeitsgäste. Später publizierte es eine Auswahl der Fotos, auf denen auch der erwähnte SVP-Lokalpolitiker zu sehen war. Weil alles, was mit Rechtsextremismus und Neonazis zu tun hat, viele Klicks erhoffen lässt, brachte der Sonntags-Blick eine Story dazu und verkaufte sie als eigene «Recherche». Was dann folgte, war voraussehbar: Kreti und Pleti sprangen auf den Zug auf – 20 Minuten, CH Media, und, und, und…
Ein SVP-ler kennt einen vermeintlichen Neonazi privat und besucht dessen Hochzeit. Welch ein skandalträchtiges Ereignis! In Tat und Wahrheit geht es um Kontaktschuld- Vorwürfe, wie sie in der DDR an der Tagesordnung waren und die wir in der Schweiz Gottseidank für überwunden geglaubt hatten. Dialogbereitschaft und die Trennung von Privatem und Politischem sind das, was eine intakte, gesunde Gesellschaft ausmachen. Wo kommen wir denn hin, wenn nicht mehr miteinander gesprochen wird und man für das Tun anderer haftbar gemacht wird? Alle Mainstream- Medien, welche in die Hetzjagd gegen den SVP-ler einstimmen, ziehen ein jämmerliches Spiel ab. Dies besonders auch vor dem Hintergrund, dass sie mit zweierlei Ellen messen. In der Silvesternacht wurden nämlich vor einem linken Kulturzentrum in der Stadt Luzern Polizeikräfte mit Feuerwerk beschossen. Die Polizei sucht noch immer Zeugen, wobei zumindest Fragen aufwirft, dass die Einsatzkräfte nach diesem Vorfall behindert wurden und die mutmassliche Täterschaft ins linke Kulturzentrum flüchten konnte.
Einmal mehr zeigt sich: Gewalt aus dem linken Spektrum wird selten zum nationalen Medienereignis – ein privater Hochzeitsbesuch eines SVP-lers scheint viel relevanter zu sein.


