Schweiz in der Sanktions-Sackgasse

Jacques Baud ist Schweizer Staatsbürger, Oberst aD der Schweizer Armee sowie ehemaliger UNO-, NATO- und OSZE-Berater. Seit dem 15. Dezember 2025 steht Baud auf der Sanktionsliste der EU. Was das für den Mann bedeutet?

«Spalte rechts»-Kolumne von Anian Liebrand, erschienen in der «Schweizerzeit» am 23. Januar 2026

Jacques Baud ist vom Zahlungsverkehr abgeschnitten, seine Konten sind eingefroren, sein Besitz beschlagnahmt. Als ihm Bekannte zur Unterstützung an seinen Wohnsitz in Brüssel Essen liefern liessen, kam das Paket nicht an: Selbst bei Paketdiensten ist der Mann auf einer «schwarzen Liste».

Was Jacques Baud, dem einst weitherum anerkannten Militäranalysten mit Geheimdienst-Vergangenheit, konkret von der EU vorgeworfen wird: «Jacques Baud ist regelmässig Gast in prorussischen Fernseh- und Radioprogrammen. Er fungiert als Sprachrohr für prorussische Propaganda und verbreitet Verschwörungstheorien, indem er beispielsweise die Ukraine bezichtigt, ihre eigene Invasion herbeigeführt zu haben, um der Nato beizutreten. Jacques Baud ist für Handlungen oder politische Massnahmen verantwortlich, die der Regierung der Russischen Föderation zuzurechnen sind und die Stabilität oder die Sicherheit in der Ukraine untergraben oder bedrohen.»

Mit anderen Worten: Die EU bezichtigt den Mann, russische Propaganda zu verbreiten und will an ihm ein Exempel statuieren. «Passt auf, auf welche Seite Ihr Euch stellt», so die Botschaft. Die Schweiz steckt im Dilemma fest. Seit der Bundesrat mit der Übernahme des ersten EU-Sanktionspakets gegen Russland 2022 mit der Neutralität brach, hat er auch die jüngsten Sanktionsmassnahmen vom Dezember 2025 übernommen. Dies mit der kuriosskandalösen Folge, dass wir seither einem unbescholtenen Landsmann die Einreise verwehren und ihn in einem fremden Land «verrotten» lassen. Dies, obwohl Jacques Baud selbst nach offiziellen Darstellungen der Schweizer Behörden gegen keinerlei Schweizer Gesetze verstossen hat. Sein einziges «Verbrechen»: Er vertritt laut europäischem Mainstream die «falschen Ansichten».

Für «Meinungsverbrechen» vom eigenen Land sanktioniert? «Nimm das Recht weg, was ist ein Staat noch anderes als eine grosse Räuberbande?», soll der heilige Augustinus schon vor über 1’600 Jahren gesagt haben – was noch immer voll zutrifft. Lange hat das Aussendepartement (EDA) zur «Causa Baud» geschwiegen. Wie die «NZZ» am 17. Januar berichtete, hat die Schweizer Botschafterin bei der EU in Brüssel, Rita Adam, nun aber (endlich) bei der EU «interveniert». Was auch immer das heissen soll…

Anian Liebrand
Anian Liebrand
Geboren 1989 in Fribourg. Aufgewachsen in Beromünster LU. Nach Abschluss der kaufmännischen Berufsmatura diverse praxisnahe Weiterbildungen, u.a. im Marketing. Von 2014 bis 2016 Präsident der Jungen SVP Schweiz. Heute in verschiedenen Funktionen für unterschiedliche Parteien und Organisation tätig. 2020 Gründung der Politagentur.ch GmbH als deren Geschäftsführer.

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