Die Bedrohungslage für die Schweiz ist akut. Was zu tun ist, ist allen klar, die ein geschichtliches Bewusstsein haben und wissen, dass das Ideal eines «ewigen Friedens» ein Wunschtraum ist.
«Schlusspunkt»-Kolumne von Anian Liebrand, erschienen in der «Schweizerzeit» am 7. November 2025
Die Zeit der «Friedensdividenden», als man es sich vermeintlich leisten konnte und stark davon profitierte, die Armee chronisch unterzufinanzieren, ist vorbei. Die Schweizer Armee muss verteidigungsfähig gemacht werden, unsere Soldaten haben das Recht, vollständig ausgerüstet zu werden. «Verteidigen können, um nicht zu müssen», wie es der Chef der Armee in einem neuen Manifest formuliert.
Zahlreiche Waffensysteme, deren Nutzungsdauer sich in den nächsten Jahren dem Ende zuneigen, müssen erneuert werden – und neue beschafft werden. Wir brauchen Investitionen in die Luftabwehr und eine Abwehrstrategie, die sowohl konventionelle (Bodluv-Systeme) als auch unkonventionelle Massnahmen umfasst (beispielsweise Abwehrdrohnen). Während die meisten europäischen Staaten massiv in die Verteidigung investieren, zankt das Schweizer Parlament noch immer um die Frage, ob Verteidigungsausgaben in der Höhe von mindestens einem Prozent des BIP gerechtfertigt seien.
Die kommenden Entscheide über die Armeefinanzierung sind zweifellos von gewisser Brisanz. Wird die Schuldenbremse gelockert, um mehr Mittel für die Armee freizusetzen, werden die Linken dies als Freipass verstehen, den Sozialstaat aufzublähen und neue Fonds für ihre Klimaprojekte einzufordern. Hier einen guten Mittelweg zwischen Finanzdisziplin und dringend benötigten Verteidigungsausgaben zu finden, erfordert kluge Lösungen – doch haben wir nicht genau dafür unsere Parlamentarier gewählt?
Just in dieser explosiven Situation stimmen wir in der Schweiz über die sog. «Service-Citoyen-Initiative» ab. Sie ist de facto eine Bürgerdienst-Zwangs-Initiative, da sie verlangt, dass flächendeckend alle Bürger einen Dienst «zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt» ableisten. Dieser Systemwechsel wäre ein Experiment, das unser Milizsystem auf den Kopf stellt und verheerende Auswirkungen hätte. Der anspruchsvolle Militärdienst wird einer gemütlichen 5-Tage-Woche im Büro einer NGO gegenüberstellt – dabei kämpfen wir schon heute damit, dass es viel zu leicht geworden ist, in den Zivildienst «abzuschleichen». Solche Querschüsse wie «Service Citoyen» können wir in der aktuellen Lage am allerwenigsten gebrauchen – stimmen wir alle Nein am 30. November!


