«Organentnahme nur mit Zustimmung»: Achtungserfolg für kleines Komitee

Von Anfang Februar bis zum Abstimmungssonntag am 15. Mai 2022 durfte ich das Komitee «NEIN zur Organentnahme ohne Zustimmung» in der Abstimmungskampagne unterstützen. Das beinhaltete die Koordination und Erarbeitung von Werbemitteln, strategisches Arbeiten und Kommunikations-Aufgaben. Das kleine Komitee hatte zuvor erfolgreich das Referendum gegen die Widerspruchsregelung bei Organentnahmen (revidiertes Transplantationsgesetz) ergriffen.

Es war von Anfang an ein Kampf «David gegen Goliath». Dem Komitee gehörten zwar namhafte und gewichtige Persönlichkeiten aus der Medizin, den Rechtswissenschaften und der Politik an. Hinter der Kampagne stand aber keine grössere, finanzstarke Organisation. Entsprechend war es eine grosse Herausforderung, mit den vorhandenen, bescheidenen Mitteln das Optimum herauszuholen. Weil das Komitee sehr heterogen zusammengesetzt war (von SP über EVP, EDU, GLP bis zur SVP), mussten Botschaften erarbeitet werden, hinter denen alle stehen konnten und die dennoch klar und zielsicher waren.

Als Slogan der Kampagne wählten wir nach ausführlichem Evaluationsprozess die treffende Botschaft «Wer mein Herz will, muss mich fragen. Transplantationsgesetz NEIN». Wir hatten zu berücksichtigen, dass wir mit wenig Text unsere Vorbehalte auf den Punkt zu bringen haben. Das ist uns, wie ich das rückblickend sehe, ganz gut gelungen.

Eine Kampagne gegen Aspekte von Organspenden respektive Organentnahmen zu führen, ist eine besonders schwere Angelegenheit. Die Begriffe sind in der Bevölkerung positiv verankert: Wer hat schon etwas gegen Organspenden, die Leben retten können? Es war sehr schwierig zu kommunizieren, dass es uns um den Grundsatz der informierten Zustimmung ging, der mit der angestrebten Widerspruchsregelung gefährdet war. «Nur Ja heisst Ja», hiess dabei unsere Losung.

Statt eine schwer finanzierbare «Materialschlacht» anzustreben, setzten wir den Fokus auf eine intensive Medienarbeit. Wir führten einen intensiven Dialog mit Journalisten, klärten auf und intervenierten, wenn ein Sachverhalt aus unserer Sicht unvollständig oder falsch dargestellt wurde. Früh haben wir festgestellt, dass dieser auf Fairness und Respekt beruhende Dialog mit vielen Medien erfolgreich war. Über die Vorlage wurde mehrheitlich objektiv und oft auch sehr kritisch (in unserem Sinn) berichtet.

Am Schluss war die Übermacht der Befürworter dann aber doch zu gross. Immerhin haben dennoch fast 40 % der Stimmbevölkerung Nein zum neuen Transplantationsgesetz gestimmt. In der Deutschschweizer Kantonen waren die Nein-Anteile teils noch bedeutend höher. Angesichts der Grössenverhältnisse und der Komplexität des Themas ein wahrer Achtungserfolg.

Anian Liebrand
Anian Liebrand
Geboren 1989 in Fribourg. Aufgewachsen in Beromünster LU. Nach Abschluss der kaufmännischen Berufsmatura diverse praxisnahe Weiterbildungen, u.a. im Marketing. Von 2014 bis 2016 Präsident der Jungen SVP Schweiz. Heute in verschiedenen Funktionen für unterschiedliche Parteien und Organisation tätig. 2020 Gründung der Politagentur.ch GmbH als deren Geschäftsführer.

Weitere Texte

Ähnliche Beiträge

Werbungspot_img

Neuste Beiträge

Nicht mehr lange – und die Schweizer sind die Minderheit im eigenen Land!

Im August 2018 habe ich für die «Schweizerzeit» auf der Grundlage umfangreicher Recherchen errechnet, dass die ethnischen Schweizer in bloss einer Generation zur Minderheit im eigenen Land werden – falls keine unmittelbare Trendwende eingeleitet wird.

Abtreibungs-Fanatismus

In den vergangenen Wochen ist die Abtreibungsdebatte hierzulande neu aufgeflammt. Stein des Anstosses: Das Oberste Gericht der USA, der Supreme Court, hob das stark umstrittene, 1973 gefällte Grundsatzurteil «Roe v. Wade» wieder auf.

In SEINEN und unseren Händen

Die Schweiz hat nach dem Ende der meisten Corona-Massnahmen erstaunlich schnell wieder zurück zur Normalität gefunden. Man spürt, wie das Leben wieder aufgeblüht ist und die Menschen die zurück gewonnene Freiheit schätzen.

Schlagwörter

Newsletter abonnieren