Nicht ruhen, bis die Coronazeit aufgearbeitet wird!

Ist es wirklich der unumstössliche Sinn der Adventszeit, im Alltagsstress zu ertrinken, um vor Weihnachten noch möglichst viele geschäftliche Aufgaben zu erledigen und Geschenke zu besorgen? Für mich jedenfalls ist die Vorweihnachtszeit immer auch die Zeit, in der es sich lohnt, zurückzuschauen und sich in den Spiegel zu sehen: War ich im zu Ende gehenden Jahr ein guter Mensch? Lebe ich auch, was mir wichtig ist – gerade, was den Glauben betrifft?

«BRISANT»-Kolumne von Anian Liebrand, erschienen auf «schweizerzeit.ch» am 12. Dezember 2025

Allen Christen ist bekannt, dass es frei und glücklich macht, zu vergeben und sich zu versöhnen. Immer wieder ist es auch ein Prüfstein, ob wir dazu in der Lage sind. Oft fällt es uns nicht leicht, zu vergeben – wir sind schliesslich alle Sünder und nicht perfekt. Danach zu streben, besser zu werden, mag hingegen alleweil ein guter Ratschlag sein – unabhängig davon, ob man sich als gläubig versteht oder nicht.

Vergebung setzt Gesprächsbereitschaft voraus

In der Adventszeit mache ich mir Gedanken, wie wir als Gesellschaft wieder mehr Brücken bauen und aufeinander zugehen können. Die erste Erkenntnis: Wer von anderen hinter eine «Brandmauer» verbannt wird, dem wird es schwer gemacht, eine Brücke zu seinen «Verbannern» zu schlagen.

Die zweite Erkenntnis: Es setzt Reue und Demut voraus, um das Gegenüber aufrichtig um Vergebung zu bitten. Vergebung und Versöhnung sind keine Einbahnstrassen. Dazu gehört die gegenseitige Bereitschaft, auf das Gegenüber zuzugehen und von seinen festgefahrenen Positionen abzurücken. Ohne Fehlerbewusstsein und Selbstkritik ist Annäherung ausgeschlossen.

Immer wieder kreisen meine Gedanken um die Covidzeit. Bald ist es sechs Jahre her, seit der Spuk mit der Ausrufung des Notstands seinen Anfang nahm. Selten hat eine Phase in der Menschheitsgeschichte derart grosse gesellschaftliche Verwerfungen verursacht – auch in der Schweiz. Besonders die Frage, ob man sich «impfen» liess oder nicht, hat tiefe Risse aufgetan – quer durch Familien und Freundeskreise. Die Menschen liessen sich spalten, wandten sich voneinander ab, bauten Feindbilder auf und zogen sich zurück.

Aufarbeitung fehlt noch immer

Obwohl die letzten staatlichen Corona-Massnahmen nun auch schon wieder seit Jahren Geschichte sind, blieben viele Fronten verhärtet. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung fühlt sich nach wie vor gekränkt und betrogen: Von unverhältnismässigen Massnahmen ausgegrenzt und benachteiligt. Für andere wiederum konnte es nicht schnell genug gehen, dieses Kapitel abzuschliessen und zur Tagesordnung zurückzukehren: «Business as usual», Schlussstrich ziehen und fertig – wir seien in der Schweiz ja nochmals glimpflich davon gekommen.

Die Gräben und das Misstrauen sind noch immer da. Ist nicht die Adventszeit der richtige Rahmen, um Ansätze zu knüpfen, damit diese Wunden endlich verheilen? Ich finde: Ja, unbedingt. Noch immer fehlt von einer aufrichtigen Aufarbeitung der Coronazeit, die diesen Namen auch verdient, in der Schweiz jede Spur. Der politische Wille der Verantwortlichen dazu ist nach wie vor nicht erkennbar. Problembewusstsein oder zumindest die Bereitschaft zu reden: Fehlanzeige!

Fehler werden zementiert

Stattdessen führt die Classe politique (und mit ihr die Verwaltung und das Medien- und Gesundheits-Establishment) den eingeschlagenen Weg diskussionslos fort. Bundesbern hat den Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) nicht widersprochen, dafür aber ein revidiertes Epidemiengesetz in der Pipeline, welches die Grundlagen des Covid-Krisenmanagements zementiert – damit bei künftigen Herausforderungen, bei denen die WHO den Notstand ausruft, genau gleich vorgegangen wird wie bei Corona. Alle Erkenntnisse der letzten Monate und Jahre, z.B. über die massiven Nebenwirkungen, die bei den mRNA-Impfstoffen auftreten können, werden ignoriert. Alles wird auf die WHO ausgerichtet und experimentelle Impfstoffe werden zum alternativlosen «Allheilmittel» verklärt.

Wie ich anfänglich ausgeführt habe, kann Vergebung keine Einbahnstrasse sein. Und selbst, wer von der Richtigkeit seines Handelns überzeugt ist, kann nichts verlieren, wenn er sich einer ehrlichen Auseinandersetzung stellt. Die Aufarbeitung der staatlichen Coronamassnahmen bleibt für mich kein frommer Adventswunsch, sondern viel mehr anhaltender Auftrag, der nicht in Vergessenheit geraten darf.

Verzeihen ja, vergessen nein – bleiben wir am Ball. Es wäre nicht das erste Mal, wo der christliche Geist von Weihnachten wahre Wunder bewirkt hätte.

Anian Liebrand
Anian Liebrand
Geboren 1989 in Fribourg. Aufgewachsen in Beromünster LU. Nach Abschluss der kaufmännischen Berufsmatura diverse praxisnahe Weiterbildungen, u.a. im Marketing. Von 2014 bis 2016 Präsident der Jungen SVP Schweiz. Heute in verschiedenen Funktionen für unterschiedliche Parteien und Organisation tätig. 2020 Gründung der Politagentur.ch GmbH als deren Geschäftsführer.

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