Formatloser «Friedensengel»

Die von viel Medienrummel begleitete «Friedenskonferenz» auf dem Bürgenstock fand ihren Abschluss – wen überrascht’s? – mit «eher bescheidenen Ergebnissen». Zwar gaben sich die Bundesräte Amherd und Cassis alle Mühe, mit schön inszenierten Fotos und Abschlusserklärungen bedeutende Signale in die Welt hinauszusenden. Was aber sind solche Erklärungen wert, wenn sie von massgeblichen Staaten letztlich gar nicht mitunterzeichnet wurden – und China und Russland bekanntlich gar nicht anwesend waren?

«Spalte rechts»-Kolumne von Anian Liebrand, erschienen in der «Schweizerzeit» am 21. Juni 2024

Unter dem Strich heben das eifrige Zudienen bei den Westmächten und sämtlicher Aktivismus den Schaden, der den Interessen der Schweiz zugefügt wurde, bei Weitem nicht auf. Russland, auf Betreiben Selenskyjs nicht mal auf den Bürgenstock eingeladen, betrachtet die Schweiz nun als «offen feindseliges Land». Nur die gelenkigsten Polit-Akrobaten können eine von der Schweiz ausgehende «Friedensinitiative», deren Leitplanken zu grossen Teilen von der einen Kriegspartei diktiert wurden, noch mit einem wie auch immer gelagerten Neutralitätsverständnis in Einklang bringen.

Die Schweiz als neutrale, nicht Partei ergreifende Friedensvermittlerin wäre in naher Zukunft wohl gefragter denn je. Dieses über Jahrzehnte hinweg erarbeitete Ansehen, das sowohl Identitätsmerkmal als auch Standortvorteil wäre, wurde nun ein weiteres Mal stark beschädigt. Hauptsache, Bundesrätin Amherd konnte sich vor aller Welt als «bedeutende Staatsfrau» inszenieren. Im Interesse des Landes den Verlockungen des persönlichen Ruhmstrebens zu trotzen, war schon seit je her ein wichtiger Prüfstein, um das Format von Regierungsmitgliedern zu messen. Amherd, vom «Frauenbonus» in höchste Ämter getragen, ist dieser Prüfung offensichtlich nicht gewachsen – zulasten unserer Glaubwürdigkeit.

Ausgerechnet Amherd! Wir erinnern uns: Im Dezember 2023 lehnte es das Parlament ab, die finanziellen Mittel für die Armee bis 2030 auf ein Prozent des Bruttoinlandprodukts zu erhöhen. Als Vorsteherin des VBS trat Amherd nicht sonderlich als flammende Kämpferin in Erscheinung. Und so bleibt der verheerende Missstand, dass unsere Armee noch immer mangelhaft ausgerüstet bleibt und nicht bedrohungsgerecht aufgestellt werden kann, bis auf Weiteres eine leidige Tatsache. Bundesrätin Amherd hätte in ihrem Departement weiss Gott Wichtigeres zu tun, als sich auf der Weltbühne als unglaubwürdiger «Friedensengel» aufzuspielen.

Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Anian Liebrand
Anian Liebrand
Geboren 1989 in Fribourg. Aufgewachsen in Beromünster LU. Nach Abschluss der kaufmännischen Berufsmatura diverse praxisnahe Weiterbildungen, u.a. im Marketing. Von 2014 bis 2016 Präsident der Jungen SVP Schweiz. Heute in verschiedenen Funktionen für unterschiedliche Parteien und Organisation tätig. 2020 Gründung der Politagentur.ch GmbH als deren Geschäftsführer.

Weitere Texte

Ähnliche Beiträge

Werbungspot_img

Neuste Beiträge

Sommerloch-Kampagne

In den Juli-Wochen dominierte eine verstörende Geschichte aus dem Kanton Aargau die Medien-Schlagzeilen. Ein Mann schändete und vergewaltigte zwei Frauen und ein minderjähriges Mädchen, nachdem er sie zuvor mit K.-o.-Tropfen betäubt hatte. Der Beschuldigte soll die Taten über längere Zeit unzählige Male begangen und diese fotografiert und gefilmt haben.

Wo sind die Vorbilder geblieben?

Das Vertrauen des Volkes in die Politik ist europaweit auf dem Tiefpunkt angelangt. Einer der Hauptgründe dafür: Es lässt sich nicht mehr kaschieren, dass in zentralen Machtpositionen immer mehr Persönlichkeiten sitzen, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind.

12 Gründe, warum die Neutralität zur Schweiz gehört wie der Gotthard

Kaum war die Neutralitätsinitiative eingereicht, stempelten NZZ und Co. sie als «Blocher-Initiative» oder gar «Putin-Initiative» ab. Ein vermeintliches «Killer-Etikett», das im bevorstehenden Abstimmungskampf erneut hervorgekramt und als «Framing-Waffe» eingesetzt werden dürfte.

Schlagwörter

Newsletter abonnieren