Der Schweizer Standpunkt

Seit dem Samstagvormittag des 28. Februars erleben wir eine kriegerische Eskalation im Nahen Osten. Israel und die USA bombardieren den Iran – und der Iran wiederum bombardiert Israel und sieben muslimische Nachbarstaaten.

«Spalte rechts»-Kolumne von Anian Liebrand, erschienen in der «Schweizerzeit» am 6. März 2026

In bemerkenswerter Präzision haben israelische Spezialkräfte innert kürzester Zeit einen Grossteil der iranischen Führung eliminiert – den «Obersten Führer » Khamenei inklusive. Wie so typisch für Kriege im Informationszeitalter, überschlagen sich seither die Ereignisse. Es fällt uns mitunter schwer, Wahrheit und Propaganda auseinanderzuhalten. Jeder mit militärischen Mitteln geführte Krieg ist immer auch ein Informationskrieg.

Wie reagieren wir hier in der Schweiz auf die bahnbrechenden, lange nicht für möglich gehaltenen Entwicklungen? Ich verstehe jeden, der sich freut, dass das barbarische Mullah-Regime ins Mark getroffen wurde und sich nach Hoffnung für das geschundene iranische Volk sehnt. Wir Bürger sind nicht zur Neutralität verpflichtet – das waren wir noch nie. In der Frage, wie die Schweiz in dieser fragilen Situation ihre Interessen wahrt, gelten jedoch andere Parameter: Frei von Emotionen, konsequent auf den eigenen Standpunkt – den Schweizer Standpunkt – ausgerichtet.

In der aktuellen Lage erwarte ich vom Bundesrat keine diplomatischen Allerweltsfloskeln, die ohnehin niemanden interessieren. Wir brauchen jetzt keine Parteinahme und keine peinlichen Positionsbezüge irgendwelcher EDA-Beamten in den sozialen Medien, sondern Antworten auf die brennenden Fragen, die unsere Bevölkerung ganz konkret betreffen.

Was sind die Auswirkungen steigender Ölpreise auf die Schweizer Wirtschaft? Welche Folgen hat es für uns, wenn die Strasse von Hormus blockiert oder gesperrt wird? Löst das Kriegsgeschehen grössere Zuwanderungswellen aus – und welche Auswirkungen haben diese auf die Sicherheitslage in der Schweiz? Welche Massnahmen wurden und werden getroffen, um uns vor direkten und indirekten negativen Auswirkungen dieses Konflikts zu schützen? Was unternimmt das Aussendepartement für jene Schweizer Staatsbürger, die in den betroffenen Regionen festsitzen?

Zu diesen und weiteren Fragen wünsche ich mir eine Strategie von Bundesrat und EDA. Wir brauchen eine Landesregierung, die den eigenen Schweizer Standpunkt formuliert und verteidigt, damit wir alle möglichst gut durch diese Krise kommen. Unser Volk hat ein Recht darauf.

Anian Liebrand
Anian Liebrand
Geboren 1989 in Fribourg. Aufgewachsen in Beromünster LU. Nach Abschluss der kaufmännischen Berufsmatura diverse praxisnahe Weiterbildungen, u.a. im Marketing. Von 2014 bis 2016 Präsident der Jungen SVP Schweiz. Heute in verschiedenen Funktionen für unterschiedliche Parteien und Organisation tätig. 2020 Gründung der Politagentur.ch GmbH als deren Geschäftsführer.

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