Abtreibungs-Fanatismus

In den vergangenen Wochen ist die Abtreibungsdebatte hierzulande neu aufgeflammt. Stein des Anstosses: Das Oberste Gericht der USA, der Supreme Court, hob das stark umstrittene, 1973 gefällte Grundsatzurteil «Roe v. Wade» wieder auf.

«Schlusspunkt»-Kolumne von Anian Liebrand, erschienen in der «Schweizerzeit» am 15. Juli 2022

Neu soll die Rechtsprechung zu Abtreibungen wieder ganz in der Kompetenz der Bundesstaaten liegen – es gibt kein übergeordnetes Bundesrecht mehr. Eine Stärkung des Föderalismus also, die auf unterschiedliche Wertvorstellungen in den über fünfzig US-Bundesstaaten Rücksicht nimmt.

Seither geifern Feministinnen und Linke in alle Richtungen, als wäre ihnen der leibhaftige Satan erschienen. Für diese links-grün-woke Allianz ist es nämlich eines der wichtigsten Selbstbestimmungsrechte, dass Frauen in ihnen heranwachsende Föten – ohne Mitsprache des Mannes – vor der Geburt töten lassen dürfen. Dieses so hart erkämpfte, unbedingte Recht auf Tötung des im eigenen Leib entstehenden Lebens sehen Schweizer Feministinnen nun arg bedroht. Dies besonders auch deswegen, weil vor ein paar Monaten zwei neue Lebensschutz-Volksinitiativen lanciert wurden.

Diese Initiativen aus der Stube bösester Erzkonservativer seien derart brandgefährlich, dass schon jetzt aus allen Rohren geschossen wird. Das Sakrileg dieser Initiativen: Sie wollen vor Abtreibungen einen Tag Bedenkzeit verankern («Einmaldarüber-schlafen-Initiative») und ausserhalb des Mutterleibes lebensfähigen Babys ein absolutes Recht auf Leben gewähren («Lebensfähige-Babys-retten-Initiative»). Zwei wahrlich wahnsinnig radikale Initiativen, bei denen jeder versteht, dass die Linken Amok laufen (Ironie aus) …

Befremdend ist, dass sich die Abtreibungs-Fanatiker auch innerhalb der SVP stark ausbreiten. Aussagen etlicher junger SVP-Frauen zu Abtreibungen unterscheiden sich kaum mehr von linkem Feminismus-Sprech. Eine andere Meinung zu haben, ist das eine. Wenn aber solche SVP-Frauen gleichzeitig dafür sorgen, dass ganze JSVP-Sektionen (Aargau und Zürich) öffentlich gegen den schweizerischen JSVP-Präsidenten schiessen, weil dieser für die Lebensschutz-Initiativen tätig ist, werden hier nebst der Propaganda der Antifa auch deren Methoden in die SVP hineingeschleust.

Noch erbärmlicher ist in diesem Zusammenhang, mitansehen zu müssen, was aus dem Nachwuchs des einst stolzen Freisinns geworden ist. Die Jungfreisinnigen fordern nämlich neuerdings die straffreie Abtreibung bis zur 24. Schwangerschaftswoche! Einfach krank, was für eine Geisteshaltung sich bei Liberalen breitmacht.

Anian Liebrand
Anian Liebrand
Geboren 1989 in Fribourg. Aufgewachsen in Beromünster LU. Nach Abschluss der kaufmännischen Berufsmatura diverse praxisnahe Weiterbildungen, u.a. im Marketing. Von 2014 bis 2016 Präsident der Jungen SVP Schweiz. Heute in verschiedenen Funktionen für unterschiedliche Parteien und Organisation tätig. 2020 Gründung der Politagentur.ch GmbH als deren Geschäftsführer.

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